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Familienforschung in Westpreußen


Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe,
die wir hinterlassen, wenn wir weggehen.
(Albert Schweitzer)

Hinweise zur Familienforschung in Westpreußen





Größe, Bevölkerung und geschichtliche Entwicklung der Provinz Westpreußen





Größe und Bevölkerung

Die Provinz Westpreußen erstreckte sich über eine Fläche von 25.550 km² (Stand bis 1918). Die Zahl der Einwohner belief sich nach dem Ergebnis der Volkszählung aus dem Jahre 1910 auf rund 1.703.400 Personen, davon bezeichneten sich rund 789.000 Personen als evangelisch und rund 882.800 Personen als katholisch. Als von deutscher/deutschsprachiger Herkunft bezeichneten sich 1.097.900 Personen, rund 475.700 Personen gaben sich als von polnischer und rund 107.100 Personen als von kaschubischer Herkunft aus (Quelle: Königlich Preußisches Statistisches Landesamt (Hrsg.), Gemeindelexikon für die Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln, Berlin 1912). Westpreußen hatte darüber hinaus einen nennenswerten Bevölkerungsanteil an Mennoniten (im Jahre 1890 13.833 Personen), die vorwiegend im Großraum Danzig (7.937 Personen) und im Landkreis Marienwerder (2.137 Personen) ansässig waren.





Geschichtliche Entwicklung

Die Provinz Westpreußen wurde nach der ersten Teilung Polens im Jahre 1772 in den seinerzeit Preußen angegliederten Gebieten gebildet. Nach der Eingliederung der städtischen Territorien von Danzig und Thorn im Zuge der zweiten Teilung Polens im Jahre 1793 wurde die Provinz im Anschluss an die "Napoleonische Periode" (1806-1815) im Jahre 1815 neu errichtet. Bromberg und der Netzedistrikt wurden im Zuge dieser Reorganisation dem Großherzogtum Posen zugeschlagen, während die Landkreise Deutsch Krone und Flatow nunmehr der Provinz Westpreußen zugeordnet wurden. Von 1829-1878 bildeten Ost- und Westpreußen die einheitliche Provinz Preußen und wurden ab 1878 wieder zu getrennten und selbständigen Provinzen.

Nach dem ersten Weltkrieg musste der überwiegende Teil Westpreußens (der sogenannte "Polnische Korridor") aufgrund des Versailler Vertrages vom 28. Juni 1919 (in Kraft getreten am 10. Januar 1920) ohne Volksabstimmung und damit unter Missachtung anerkannter völkerrechtlicher Grundsätze an Polen abgetreten werden. Danzig und die umliegende Region (Danzig-Land und das Große Werder) wurden - ebenfalls ohne Volksabstimmung - "Freie Stadt", unterstanden insoweit dem Schutz des Völkerbundes, waren aber dem polnischen Zollgebiet unterstellt. Nach Durchführung einer Volksabstimmung am 11. Juli 1920 mit einem Stimmergebnis von 92,3 % für Deutschland verblieben im Deutschen Reich nur einige östlich von Nogat und Weichsel gelegene Landkreise des früheren Regierungsbezirks Marienwerder (die Landkreise Elbing, Marienburg, Marienwerder, Rosenberg und Stuhm), die von 1922-1939 als Regierungsbezirk Westpreußen der Provinz Ostpreußen angegliedert waren. Gleichzeitig wurden die ebenfalls im Deutschen Reich verbliebenen westpreußischen Landkreise Deutsch Krone, Flatow und Schlochau, sowie die Stadt Schneidemühl, der neu gebildeten Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen zugeschlagen und nach deren Auflösung mit Wirkung vom 1. Oktober 1938 in die Provinz Pommern eingegliedert.

Nach der Besetzung Polens im September 1939 wurde der "Reichsgau Danzig-Westpreußen" gebildet, der zunächst Reichsgau Westpreußen hieß. Er umfasste den größten Teil der früheren preußischen Provinz Westpreußen, einschließlich der "Freien Stadt Danzig" und das 1920 als Regierungsbezirk Westpreußen in die Provinz Ostpreußen eingegliederte Gebiet, während die westlichen Gebiete der früheren Provinz Westpreußen bei der Provinz Pommern verblieben. Neu hinzu kamen die vor dem Versailler Vertrag (1919) zur preußischen Provinz Posen gehörenden Landkreise Bromberg (Stadt und Land) und Wirsitz, ferner die Landkreise Leipe und Rypin im Südosten, die vor 1919 nicht zum Deutschen Reich, sondern zum Herzogtum Warschau ("Kongreßpolen") des Russischen Reiches gehört hatten. Der Reichsgau Danzig-Westpreußen war in die drei Regierungsbezirke Bromberg, Danzig und Marienwerder untergliedert.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges (1945) erhielt Polen die zuvor zu seinem Staatsgebiet gehörenden Landkreise zurück. Die vor dem 31. Dezember 1937 zum Deutschen Reich gehörenden Gebiete und das Gebiet der "Freien Stadt Danzig" wurden 1945 ("Potsdamer Abkommen") zunächst unter polnische Verwaltung gestellt. Die völkerrechtliche Bedeutung der so bewirkten Grenzziehung ("Oder-Neiße-Linie") war höchst umstritten; während die sogenannten "Ostblockstaaten" den Standpunkt vertraten, die Grenzziehung sei endgültig, hat die westliche Völkergemeinschaft überwiegend die Auffassung vertreten, es handele sich nur um eine vorläufige Grenzziehung. Die DDR hat die "Oder-Neiße-Linie" bereits frühzeitig als endgültige Westgrenze Polens anerkannt. Im Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen über die Normalisierung ihrer gegenseitigen Beziehungen; vom 7. Dezember 1970 (Bestandteil der "Ostverträge") wurde festgestellt, dass die "Oder-Neiße-Linie" die westliche Staatsgrenze Polens bildet. Zugleich haben beide Staaten die Unverletzlichkeit ihrer (dieser !) Grenzen bekräftigt und erklärt, dass sie wechselseitig keine Gebietsansprüche gegeneinander haben und derartige Ansprüche auch zukünftig nicht erheben werden. Durch den "Zwei-plus-Vier-Vertrag" vom 12. September 1990 wurden die Außengrenzen des wiedervereinigten Deutschlands sodann endgültig festgeschrieben. Nach Abschluss und wechselseitiger Ratifizierung des im Anschluss an diesen Vertrag (völkerrechtlich) noch erforderlichen Vertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen vom 14. November 1990 gehört das Gebiet der früheren Provinz Westpreußen auch völkerrechtlich nunmehr zu Polen.

Eine sehr empfehlenswerte Darstellung zur Geschichte der Provinz Westpreußen findet sich auf der Website von Reinhart Nelke unter www.preussenweb.de. Weiterführende Angaben zur Geschichte der Provinz Westpreußen finden sich auch auf den Regionalseiten des Deutschen Genealogie Servers.





Weiterführende Literatur zur Besiedlungs- und Bevölkerungsgeschichte (Auswahl):

Max Aschkewitz, Die deutsche Siedlung in Westpreußen im 16., 17. und 18. Jahrhundert in: Zeitschrift für Ostforschung 1952, Seite 553 ff.

Wilhelm Brauer, Prußische Siedlungen westlich der Weichsel, Siegen 1983

Georg Dabinnus, Die ländliche Bevölkerung Pommerellens im Jahre 1772 mit Einschluß des Danziger Landgebietes im Jahre 1793, Marburg 1953

Walther Maas, Zur Siedlungskunde Westpreußens 1466-1772, Marburg 1958

Ilse Rohde, Das Nationalitätenverhältnis in Westpreußen und Posen zur Zeit der polnischen Teilungen in: Deutsche wissenschaftliche Beiträge für Polen 1926, Seite 3 ff.

Max Bär, Westpreußen unter Friedrich dem Großen, 2 Bände, Leipzig 1909 (Reprint Osnabrück 1965), Band 1, Seite 314 ff.





Familienforschung in Westpreußen

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